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Vorüberlegungen
Wir, der DRK Kindergarten Fuldablick, sind eine zweigruppige Einrichtung.
Als uns der DRK Landesverband kostengünstig einen Computer
mit allem Zubehör zur Verfügung gestellt hat, stand als
nächstes die Überlegung an, wo der Computer bei uns im
Kindergarten am besten positioniert werden kann. Da es ein ruhiger
Raum sein sollte, der für beide Gruppen zugänglich ist,
funktionierten wir den Mehrzweckraum in einen Medienraum um.
Aus jeder Gruppe nahm eine Erzieherin bereits an der Fortbildung
des Blickwechsel e.V. teil, um das anschließende Projekt zu
begleiten. Aus organisatorischen Gründen wählten wir für
dieses Projekt die Kinder aus, die im Sommer eingeschult werden
sollten.
Nach der Einführungswoche planten wir den Einstieg in unser
Computerprojekt.Gemeinsam erarbeiteten wir verschiedene Fragestellungen
und Aufgaben, die wir mit den Kindern bearbeiten wollten: Was ist
Hardware/Software? Wie schalte ich einen Computer an und aus? Welche
Programme sind installiert? Welche können wir für uns
nutzen? Welche Programme/Spiele sind den Kindern bekannt? Erstellen
gemeinsamer Regeln zur Nutzung des Computers.
Hier endete unsere konkrete Planung, um flexibel auf die Interessen
und Wünsche der Kinder eingehen zu können. Vor Beginn
des Computerprojektes beschäftigten wir uns mit dem Thema Kunst.
Die Kinder waren mit so viel Eifer dabei, dass wir sehen wollten,
ob sich beide Themen miteinander verbinden lassen.
Ziele des Computerprojektes
- Den Computer als Lern- und Arbeitsmittel
in den Kindergartenalltag integrieren
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- Den sachgemäßen Umgang mit dem
Medium erlernen
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- Den Kindern, die keinen Computer zu Hause
haben, die Möglichkeit geben diesen kennen zu lernen
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- Kindern, die einen Computer zu Hause haben,
andere Möglichkeiten außer Spiele spielen aufzuzeigen
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Projektverlauf
Tag 1: Wie ist der Wissensstand der
Kinder? Erzählkreis
Wir begannen unser Computerprojekt mit einem Erzählkreis. Die
Kinder hatten Gelegenheit über ihre bisherigen Erfahrungen
mit dem Computer zu berichten. Dabei stellten wir fest, dass in
fast jeder Familie ein Computer vorhanden ist. Der Umgang mit diesem
wird recht unterschiedlich gehandhabt. Einige der Kinder dürfen
gar nicht an den Computer der Eltern, besitzen aber einen Kinder-Computer.
Andere dürfen den Computer der Familie zum Spielen und Malen
mit benutzen.
Lediglich eins der Kinder hatte bisher noch keine Erfahrung am Computer
sammeln können.
Anschließend schauten wir uns gemeinsam unseren Computer an.
Wir forderten die Kinder auf, die einzelnen Peripheriegeräte
mit Namen zu benennen. Monitor, Tastatur, Maus und Lautsprecher
waren den Kindern auf Anhieb bekannt, bei Drucker und Rechner waren
sie etwas unsicher, den Scanner kannten sie nicht.
Auf unsere Frage, was man mit einem Computer alles machen kann,
antworteten die Kinder sehr schnell:
(Lern-)Spiele spielen, Bilder malen, Texte schreiben sowie Briefe
(e-Mails) verschicken und empfangen.
Tag 2: Einführung in die Hardware: "Überraschungskiste"
Um den Kindern das „Innenleben“ des Rechners etwas näher
bringen zu können, haben wir eine Seitenwand abgenommen und
die Kinder hineinschauen lassen. Wir sprachen mit ihnen, warum sie
so etwas zu Hause natürlich nicht machen dürfen und kamen
zu dem Ergebnis, das der Rechner normalerweise an das Stromnetz
angeschlossen ist und außerdem die einzelnen Teile des „Innenlebens“
sehr empfindlich sind und schnell kaputt gehen können.

Da das Interesse der Kinder an der Technik des Rechners sehr groß
war, konnten wir unsere vorbereitete „Überraschungskiste“
zum Einsatz bringen, in der sich von der Grafikkarte bis zum Prozessor
sämtliche Hardware-Teile eines Computers befanden.
Wir erklärten den Kindern, dass die Teile aus unserer „Überraschungskiste“
nicht mehr funktionsfähig seien und sie sie deshalb auch in
die Hand nehmen dürften. Dabei sprachen wir über die Funktion
dieser Teile im Rechner. Schließlich versuchten die Kinder
diese Teile den verschiedenen Stellen am Mainboard zuzuordnen.
Sie waren sehr überrascht als sie bemerkten, dass das, was
sie zusammengesetzt hatten, so aussah wie die Rückseite unseres
Rechners. Außerdem waren sie stolz darauf, die richtige Anordnung
der einzelnen Teile aus der „Überraschungskiste“
gefunden zu haben.
Zum Schluss schauten die Kinder noch einmal in unseren geöffneten
Rechner und konnten sogar einige Teile wieder erkennen und benennen.
Tag 3-5: Regeln & Bilderbuchbetrachtung
In diesen Tagen wagten wir uns also das erste Mal an den Computer.
Zu aller erst wollten wir gemeinsam mit den Kindern am PC Regeln
zur Nutzung unseres Computers aufstellen und mit Bildern gestalten.
Ein Kind, das schon Erfahrung im Umgang mit Computern hatte, durfte
den Computer anschalten. Überrascht stellte es fest, dass auf
dem Bildschirm etwas anderes zu sehen war als zu Hause. Wir erklärten
den Kindern, dass man sich an dieser Stelle für eines der Benutzerkonten
entscheiden muss. Jedes Benutzerkonto ist mit einem Bild gekennzeichnet.
Die Kinder suchten sich ihr eigenes Benutzerbild aus und es konnte
losgehen.
Wir öffneten ihr Konto und erklärten ihnen die einzelnen
Bilder auf dem Desktop. Um die Regeln aufschreiben zu können,
öffneten wir das Schreibprogramm "Word".
Bevor die Kinder das erste Mal mit dem Computer arbeiten durften,
setzten wir uns gemütlich zusammen und überlegten gemeinsam,
welche Regeln für die Handhabung wichtig sind. Anschließend
sprachen wir darüber, wie genau wir unsere Regeln aufschreiben
bzw. darstellen könnten. Einige wussten, dass in unserem Computer
Bilder gespeichert sind, die man hinter die geschriebenen Regeln
drucken kann.
Wir zeigten den Kindern, wo die Clip Arts zu finden sind und sahen
sie uns an. Da die Auswahl nicht sehr groß war und die Kinder
sich aus diesem Grund nicht einigen konnten, schlugen wir ihnen
vor, am nächsten Tag noch eine CD-Rom mit anderen Clip Arts
mitzubringen.
So wurden dann die gemeinsam aufgestellten und illustrierten Regeln
ausgedruckt und aufgehängt:
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Regeln für unseren Computeraum |
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1. Nicht ohne einen Erwachsenen an den Computer
gehen |
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2. Nicht toben und keine Ballspiele |
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3. Nicht essen |
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4. Nicht trinken |
Dann sprachen wir darüber, wo es überall
Computer gibt und welche Aufgaben sie haben.
Den Rest des Tages schauten wir uns in Kleingruppen ein neues Bilderbuch
(Wieso, Weshalb, Warum? – "Alles über den Computer
und das Internet", Ravensburger-Verlag 2002) an. Hier gab es
eine Menge zu entdecken.
Tag 6-12: Arbeiten mit Paint
Das meiste Interesse galt dem Malprogramm (Paint). Wir zeigten ihnen,
wie man das Programm öffnet und erklärten die wichtigsten
Funktionen der Symbole. Wir bildeten Kleingruppen und die Kinder
hatten die Möglichkeit, in Ruhe alles auszuprobieren.
Im Laufe der Zeit wurden die Kinder zusehends mutiger und experimentierfreudiger
und es entstanden sehr schöne Computerbilder. Sie erkannten
in ihren Bildern eine Ähnlichkeit zu den Bildern, die sie während
eines Besuchs in einer Galerie gesehen hatten.
So kamen sie auf die Idee, ihre eigenen Bilder auszudrucken und
aufzuhängen und selbst eine Bilderausstellung zu machen, damit
die Computerkunst anschließend begutachtet und besprochen
werden konnte.
Tag 13: Betrachten unserer Computerkunst
Im Stuhlkreis betrachteten wir noch mal unsere Computerkunst-Bilder,
die wir auf dem Boden verteilt hatten. Jedes Kind hatte Gelegenheit
zu erzählen, wie es ihm beim Malen der Bilder ergangen ist.
Viele fanden es sehr schwer kleine Felder „mit dem Farbtöpfchen“
zu „treffen“. Einige fanden es gut, dass man immer wieder
ein neues „Blatt“ nehmen konnte, andere waren fasziniert
davon, Fehler schrittweise rückgängig machen zu können.
Außerdem waren die Kinder begeistert davon, wie einfach es
ist Pinsel, Spraydose, Stift und Farbtöpfchen untereinander
auszutauschen und sich beliebig neue Farben auszusuchen.
Tag 14: Besuch in der Kunstausstellung
Die Eltern eines Kindergartenkindes, selbst Kunsttheoretiker und
Künstler, verfolgten unser Projekt aufmerksam und luden uns
zu ihrer neuen Bilderausstellung ein. Die Ausstellung faszinierte
die Kinder unter anderem durch das Format (1,70m x 2,10m) und die
Anordnung der Bilder (Bilderschlange). Außerdem erfuhren sie
sehr viel über unterschiedliche Mal- und Gestaltungsmöglichkeiten.
Am Ende beantworteten die Künstler alle auftauchenden Fragen
der Kinder. Als wir gingen, schenkte uns der Künstler zur Erinnerung
an die Ausstellung einen Bilderkatalog, in dem seine Bilder noch
einmal zu sehen waren. Auf die Frage eines Kindes, wo man so einen
Katalog kaufen könne, antwortete der Künstler, dass er
ihn selbst am Computer entworfen hat. Das fanden unsere Kinder so
gut, dass wir beschlossen so etwas auch zu machen.
Tag 15-30: Bilder, die der Computer nicht malen kann
Zurück in unseren eigenen 4 Wänden unterhielten wir uns
über unsere Erfahrungen und Entdeckungen in der Kunstausstellung.
Mit dem Bilderkatalog in der Hand sprachen wir noch einmal über
die Bilder und erfuhren so, was den Kindern am besten gefallen hatte.
Sie fanden es toll, dass auch mit Sand, Kleber und Ölfarbe
gearbeitet worden war. So kamen wir auf die Idee, ebenfalls Bilder
so zu gestalten, wie es am Computer nicht möglich ist. Die
Kinder überlegten, was an Material im Kindergarten zur Verfügung
steht und welche Techniken sie anwenden wollten.
Wir wollten uns ausreichend Zeit nehmen, Bilder für unseren
eigenen Katalog anzufertigen.
In den darauf folgenden 2 Wochen entstanden unsere Werke. Grenzenlos
waren die Ideen der Kinder und alle gingen mit Begeisterung an die
Gestaltung ihrer Bilder. Mit Paint hatten sie ja bereits erste Kunstwerke
geschaffen.
Jetzt galt es, viele andere Materialien und Techniken auszuprobieren.
Von Zeichnungen mit Deckweiß auf schwarzem Tonpapier, Arbeiten
mit gefärbtem Sand und Kleister über Aquarellbilder, Zeichnungen
mit Pastellkreide, Wachszeichnungen auf Schmirgelpapier (Original
mit Bügelabdruck) bis hin zu Arbeiten mit Ölfarben, Eierpappen,
Prägefolien und anderem kreativ einsetzbaren Gebrauchsmaterial
– die kleinen Künstler waren mit Eifer bei der Sache.

Ein paar Beispiele:
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Zeichnen
und Malen mit Paint
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Wachsmalfarbe
auf Schmirgelpapier
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Arbeiten
mit Prägfolie
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Glitzerfische |
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Nach diesem kreativen Exkurs in die Welt der Künstler und bildenden
Künste ging es zurück an den Computer.
Tag 31-34: Wie kommen die Bilder in den Computer?
Da wir ja all unsere entstandenen Kunstwerke in einem Katalog präsentieren
wollten, überlegten wir gemeinsam, wie wir die Bilder in den
Computer bekommen könnten. Die Idee der Kinder war es, den
Scanner zu benutzen. Da unsere Bilder unterschiedliche Formate hatten,
war das Einscannen nur bei einigen möglich. Gemeinsam mit den
Kindern scannten wir die passenden Bilder ein und speicherten sie
im Computer.
Um auch die großformatigen Kunstwerke im Computer bearbeiten
zu können, wurden sie von den Kindern mit der Digitalkamera
abfotografiert. Das Ruhighalten der Kamera war dabei eine große
Herausforderung.
Anschließend zeigten wir den Kindern, wie die Bilder mit Hilfe
eines Datenkabels in den Computer übertragen und gespeichert
werden können.
Wir öffneten Word, stellten das gewünschte Seitenformat
ein und erklärten den Kindern, wie man die Bilder in das Dokument
einfügt. Mit unserer Hilfe konnten sie die gescannten und abfotografierten
Bilder aufrufen und einfügen. Anschließend schrieben
sie noch ihre Namen unter die Bilder und schon war die Seite fertig.
Nachdem alle Kleingruppen ihre Seiten fertig gestellt hatten, wurde
der erste Bilderkatalog ausgedruckt.
Tag 35: „Kinderüberraschung“
Als Überraschung für die Kinder gestalteten wir ein Deckblatt
für unseren Kunstkatalog und scannten Fotos von ihnen ein.
Um jedem Kind einen eigenen Katalog schenken zu können, druckten
wir noch weitere Exemplare aus.
Tag 36: Einladung zur Bilderausstellung
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Gemeinsam
mit den Kindern wurde eine Einladung zu unserer Bilderausstellung
am Computer gestaltet. Die Kinder hatten viel Spaß beim
Experimentieren mit Word Art. |
Tag 37-39: Planung und Vorbereitung
der Ausstellung
In diesen drei Tagen haben wir die Bilder für unsere Ausstellung
ausgesucht und teilweise auf farbigen Tonkarton geklebt. Nachdem
wir uns überlegt hatten, wie wir den Raum gestalten wollen,
machten wir uns daran, die Bilder an den Wänden zu befestigen.
Tag 40: Projektabschluss: Unsere Bilderausstellung
Am Tag der Ausstellung fanden sich viele Eltern im Kindergarten
ein und bestaunten die Werke ihrer Kinder. Nicht ohne Stolz präsentierten
die Kinder anschließend ihr Können am Computer und erklärten
den Eltern, wie ihr Bilderkatalog entstanden ist.
Es wurde ein gemütlicher „Projektabschluss-Nachmittag“.
Die Kinder freuten sich sehr als sie beim Abschied ihren eigenen
Bilderkatalog von uns geschenkt bekamen.
Reflexion
Als wir nach Ostern mit unserem Computerprojekt begannen, dachte
niemand im Team, dass es sich über einen Zeitraum von 13 Wochen
erstrecken würde.
Die Arbeit in den Kleingruppen war besonders intensiv und wir waren
überrascht über den Wissensstand der Kinder.
Da wir nur einen Computer zur Verfügung hatten, mussten sich
die Kinder trotz Kleingruppenarbeit über einen relativ langen
Zeitraum diszipliniert verhalten und bewiesen viel Ausdauer. Die
Fähigkeit, allein den Computer hochfahren und ein Programm
öffnen zu können, erfüllte sie mit Stolz. Bei der
Arbeit am PC waren sie sehr konzentriert. Überrascht hat uns
auch die Tatsache, dass sich unser Computerprojekt zu einem Computer-Kunst-Projekt
entwickelt hat.
Die Kinder waren mit so viel Freude und Ideenreichtum bei der Sache,
dass das Projekt sehr spannend und abwechslungsreich war und die
Zeit sehr schnell verging.
Unser Ziel, den Computer in unsere Kindergartenarbeit einzubinden
als ein Medium, das man viel nutzen kann, aber keinen übergeordneten
Stellenwert haben sollte, war erreicht!
Das Projekt wurde von Kindern, ErzieherInnen und Eltern sehr positiv
bewertet!
Bianca Kessler & Doris Engelbrecht
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