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Dauer: ca. 9 Wochen
im April/Mai/Juni 2004
Ziele
- Fotografie als ein Ausdrucksmittel entdecken
- Den Weg vom kritischen Sehen zum bewussten Gestalten ausbauen
- Kennen lernen verschiedener Aufnahmeperspektiven
- Mit digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten von Fotos experimentieren
- Entwickeln von Phantasie, Kreativität und Experimentierfreude
- Kennen lernen fotografischer Prozesse
- Umgang mit chemischen Mitteln
Das Projekt wurde mit 8 Kindern im Alter von 5 bis 7 Jahren durchgeführt.
Vorüberlegungen
In der Einrichtung fotografiere ich die Kinder häufig mit meiner
Spiegelreflexkamera. Das ganze Kindergartenjahr über werden
die Kinder bei Festen, Gruppenangeboten, Aktionen, Freispiel usw.
fotografisch begleitet, um zum Abschied des Kindes ein Fotoalbum
zu gestalten.
Auf die speziellen Fragen der Kinder über Fotografie (z.B.
Wie kommt das Bild in die Kamera?), konnte ich nur bedingt antworten,
da ich unsicher war. Mir fehlte die Erfahrung, mein theoretisches
und praktisches Wissen von Fotografie kindgerecht weiterzugeben.
Als ich nach der Praxiswoche der Fortbildung "Medienprojekte
in Kindergarten und Hort" des Blickwechsel Vereins im April
wieder in den Kindergarten kam, fragten die Kinder gleich nach,
was ich gelernt hatte. Ich bereitete alles vor und zeigte und erklärte
ihnen die ganzen erarbeiteten Materialien. Die Kinder waren begeistert
und fragten gleich: "Wann können wir das auch machen?"
Also plante ich das Projekt "Die kleinen Paparazzi –
Fotografieren mit Kindern", das in eine Ausstellung unserer
Ergebnisse im Rahmen des Kindergarten-Sommerfestes münden sollte.
Verlauf des Projektes
Tag 1-3: Zu allererst mussten natürlich
die Grundlagen der Fotografie erarbeitet werden, damit die Kinder
überhaupt einen Eindruck bekommen konnten, was es mit dem Fotografieren
bzw. dem Umgang mit einer Kamera so auf sich hat.
Zur Einführung diente uns das Buch "Wissen mit Pfiff –
Fotografie" (Fleurus-Verlag, ISBN: 3-89717-226-7), das wir
uns alle gemeinsam ansahen.
Tag 4: Nach der gemeinsamen
Einführung konnte sie losgehen, die Erkundung der Fotowelt.
Zunächst besprachen wir die verschiedenen Perspektiven, aus
denen ein Foto "geschossen" werden kann. Dann bastelten
wir eine Papier-Faltkamera, die aus zwei Teilen bestand. Diese Teile
konnte man auseinander- und zusammenschieben, um den so genannten
"Sucher" einer Kamera zu imitieren. Die Kinder konnten
so üben, das zu fotografierende Motiv genau zu fixieren. Einige
Kinder erstellten ihre eigenen "Fotos", indem sie ein
kleines Stück Papier bemalten und in ihre Faltkamera steckten.
Tag 5-9: In den darauf
folgenden Tagen erhielten die Kinder eine Einführung in das
Fotografieren mit der Digitalkamera. Sie machten Portraitfotos von
anderen Kindern und schauten sich die Bilder anschließend
am PC an.In diesen Tagen hatten die Kinder jederzeit die Möglichkeit
mit der Digitalkamera zu fotografieren. Sie gingen sorgsam mit dem
neuen Medium um. Selbst Streitereien, wer jetzt an der Reihe ist,
gab es nicht. Bei der Einspielung der Fotos auf den PC brauchten
die Kinder anfangs Unterstützung, doch nach einiger Zeit klappte
es bei den meisten.
Außerdem bastelten wir als Raumdekoration "Filmnegativstreifen"
aus Tonkarton, auf die Fotos der Kinder geklebt wurden und dekorierten
unseren Kindergarten, indem wir Filmdosen, alte Negative, Filmschachteln,
Diarahmen und vieles mehr aufhängten.
Tag 10-13: In den darauf folgenden
Tagen suchten sich die Kinder aus ihren entstandenen Fotos Bilder
für ein Foto-Memory aus, die sie dann ausdrucken, einlaminieren
und zu Memory-Karten ausschneiden konnten. Damit die Karten auch
alle zusammen blieben, bastelten wir dazu passende Pappschachteln.
Eines Morgens begann ein Kind der Projektgruppe, sich Schachteln,
Toilettenpapierrollen, Kronkorken usw. aus unserer Bastelkiste zusammen
zu suchen, um daraus eine Kamera zu bauen. Andere Kinder schlossen
sich ihm an. Es wurde geklebt, geprickelt, geschnitten und gemalt.
Auch eine Kordel zum Umhängen der Kamera musste erstellt werden
– wie bei "richtigen TouristInnen".
Diese Aktion hatte ich für unser Projekt eigentlich gar nicht
eingeplant.
Tag 14: Nach all dem Basteln mit
Schere, Kleber und Papier ging es dann kreativ am Computer weiter.
So erstellten die Kinder einerseits mit dem Programm "MS Picture
It" Fotomontagen, indem sie ihre Portraits in verschiedene
vorgegebene Motive (z.B. ein Astronaut, ein Punker, ein Cowboy etc.)
einfügten. Andererseits konnten sie mit der Software "Kai´s
Power Goo" nach Belieben ihre Gesichter per Mausklick verziehen
und verzerren, so dass lustige Grimassen entstanden.
Tag 15: An diesem Tag widmeten wir uns einer ganz spannenden
Sache: wie funktioniert die Filmentwicklung? Um das genauer heraus
zu finden richteten wir eine Dunkelkammer ein. Dafür benötigten
wir eine Menge Materialien:
Zunächst einmal natürlich einen dunklen Raum, in dem das
Fotopapier (z.B.: Gradation 2 oder 3 oder Multigrade-Papier) aus
der Schachtel genommen und entwickelt werden kann. Zudem braucht
man die Entwickler- und Fixierflüssigkeit, eine Rotlichtlampe
als Dauerlichtquelle in der Dunkelkammer, eine Glasplatte, eine
kleine Lampe zum Belichten (25 Watt) und drei farblich gekennzeichnete
Plastikschalen für den Entwicklungsprozess (z.B.: rot: Entwicklungsbad;
weiß: Stoppbad (Wasser mit Essigessenz); beige: Fixierungsbad).
Um die Ausstattung zu vervollständigen benötigten wir
außerdem ein großes Becken zum Auswässern, eine
Abstreifzange und eine Leine zum Trocknen der Fotos.
Tag 16-30: Was man mit Fotopapier, Entwicklerflüssigkeit
und Fixierer so alles Kreatives machen kann probierten wir in den
nächsten Tagen aus. Als erstes erstellten wir so genannte Fotogramme.
Ein Fotogramm entsteht, indem man das Fotopapier in der Dunkelkammer
der Verpackung entnimmt, die Schichtseite (glänzend) mit möglichst
flachen, lichtundurchlässigen Materialien belegt (Blätter,
Textilgewebe, Schlüssel…), das Ganze mit einer schweren
Glasplatte bedeckt (damit kein Licht unter die aufgelegten Motive
gerät und sich das Fotopapier nicht wölbt) und anschließend
mit einer Schreibtischlampe 1-5 Sekunden belichtet. Wenn man nun
das Fotopapier von den Materialien befreit und in das Entwicklungsbad
legt, wird ein Motiv sichtbar (Fotopapier schwarz, Motiv weiß).
Anschließend wird das "Foto" erst in das Stoppbad,
dann in das Fixierungsbad gelegt und zum Abwässern ins Wasserbecken
gelegt.
Jetzt nur noch an die Leine zum Trocknen und fertig ist das Fotogramm.
Aus unseren fertigen Fotogrammen bastelten wir Postkarten und Passepartoutkarten.
Doch man kann auch auf andere Weise mit den gleichen Materialien
kreativ werden.
Nach unseren Fotogrammen beschäftigten wir uns mit dem Herstellen
von Chemogrammen mit Fixiererflüssigkeit. Dafür wird die
Schichtseite des Fotopapiers mit Pinsel, Wattestäbchen, Wattebausch
und dergleichen mit Fixierer bemalt, betropft, usw. Ergebnis: Ein
weißes Motiv auf schwarzem Grund. Das Fixierbad neutralisiert
das Fotopapier und daher kann es nach dem Fixieren weder durch Licht
noch durch Entwickler verändert werden.
Aber nicht nur mit Fixierer kann man Chemogramme herstellen. Man
kann ebenso das Fotopapier mit Entwicklerflüssigkeit bemalen.
Bei dieser Technik ist zu beobachten, wie sich die betropften oder
bemalten Stellen auf dem Fotopapier nach kurzer Zeit schwarz färben.
Ergebnis: Ein schwarzes Motiv auf weißem Grund – Entwickler
schwärzt das belichtete Papier.
Auch die Chemogramme klebten wir auf Postkarten, um sie bei unserer
geplanten Ausstellung verkaufen zu können.
Tag 31: Schon beinahe zu Profis geworden, was Foto- und Chemogramme
angeht, wagten wir uns an eine Spielart des Chemogramms: die Foto-Batik.
Foto-Batiken werden im Hellen angefertigt. Und so funktioniert´s:
Fett ist Wasser abweisend. Diese einfache Tatsache stellt die Grundlage
der Foto-Batik dar. Wir fetteten unsere Hände relativ dick
mit Creme ein und pressen einen Handabdruck auf das Fotopapier.
Partien, die auf der Schichtseite des Fotopapiers mit fetthaltiger
Handcreme bedeckt sind, werden von den Chemikalienbädern nicht
beeinflusst. Sie sind also später auf dem Bild weiß zu
sehen. Der Hintergrund ist schwarz. Hand-Abdrücke sind die
einfachste Form der Foto-Batik.

Tag 32-34: Nachdem wir uns so viele Tage mit
digitalen Bildern und dem Vorgang des Fotoentwickelns beschäftigt
hatten, wollten wir unsere eigenen "richtigen" Fotos knipsen
und wagten uns an das Fotografieren mit der Spiegelreflexkamera.
Die Kinder waren eifrig dabei und gingen auch trotz der Größe
der Kameras vorsichtig und sorgsam mit den Geräten um.
Da wir uns doch noch nicht als vollendete Profis fühlten, brachten
wir unsere vollen Filme zur Entwicklung in ein Fotofachgeschäft.
Am nächsten Tag holten wir die entwickelten Filme ab, schauten
uns alle Bilder an, besprachen sie und trafen eine Auswahl für
unsere Ausstellung.
Neben der regen Diskussion, wie wir die Ausstellung unserer Projektergebnisse
gestalten sollten, besprachen wir auch noch, wie unser Kindergarten
an eine eigene Digitalkamera kommen könnte. Wir beschlossen,
ein Schreiben für Spenden aufzusetzen und ein Sparschwein im
Kindergarten aufzustellen, um so Geld für eine eigene Digitalkamera
zu sammeln.
Tag 35-39: Unsere Ausstellung rückte immer näher
und somit begannen wir, alles vorzubereiten. Wir erstellten neue
Memorys, die wir verkaufen wollten, schnitten sie aus und laminierten
sie. Wir falteten und beschrifteten auch dazu passende Schachteln.
Außerdem suchten wir Fotos unserer Arbeit heraus und klebten
sie auf bunte Karten. Zu guter letzt bauten wir gemeinsam Stellwände
auf, die wir mit unseren Bildern und Fotos gestalteten.
Tag 40: Unser großes Finale: die Fotoausstellung der
kleinen Paparazzi auf dem Sommerfest des Kindergartens!
Leider haben wir keine Fotos von der Ausstellung gemacht –
wir waren so beschäftigt und haben das Fotografieren einfach
vergessen; doch die örtliche Presse erwähnte unsere Ausstellung
in der Zeitung.
Alles in allem war die Fotoausstellung ein voller Erfolg. Unsere
Memorys und Fotokarten fanden reißenden Absatz. Selbst unser
Spendenschwein wurde gefüttert. Von dem Erlös wollten
wir eine Digitalkamera kaufen. Die Kamera wurde uns aber dann freundlicherweise
von der Firma geschenkt, die uns diese für das Projekt zur
Verfügung gestellt hatte.
Reflexion
Nachdem ich zu Beginn des Projektes eine klare Verlaufsstruktur
hatte, ging es mit Begeisterung und viel Spaß los. Obwohl
ich anfangs doch viele Ängste bezüglich der geliehenen
Kameras hatte, verlief die Arbeit mit der Digitalkamera einwandfrei.
Nach nur kurzer Zeit vertraute ich den Kindern und konnte meine
Bedenken fallen lassen.
Der Projektverlauf musste manchmal geändert werden, da die
Kinder ihre eigenen Ideen, Phantasien und ihre Kreativität
mit einbrachten. Dadurch wurde das Projekt länger als geplant.
Dennoch war es für mich zu keiner Zeit mit Stress verbunden,
was auch an der guten Zusammenarbeit mit meinen direkten Kolleginnen
lag.
Alles in allem ein sehr positives, arbeitsintensives und Spaß
bringendes Projekt, dank der Praxisangebote, der Vermittlung, der
Unterstützung und des Engagements von Carola Michaelis und
Susanne Roboom vom Blickwechsel e.V., sowie der Unterstützung
meiner Kolleginnen Kathrin Seyffarth und Birte Haschen.
Planung, Durchführung und Dokumentation des Projekts:
Brigitte von Varel
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