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Projektrahmen
6 SchülerInnen, (1 Mädchen, 5 Jungen) eine Lehrerin und
der RABATZ-Medienpädagoge führen das Projekt durch. 2
Monate lang wurde1 x in der Woche für 2 Unterrichtsstunden
das Klassenzimmer zum Trickfilmstudio. Heraus kam der Kurztrickfilm:
»Hilfe, es brennt!«
Das Projekt entstand im Rahmen von RABATZ im Offenen Kanal Eichsfeld
– Bürgerfernsehen e.V. in Leinefelde (rabatz-eichsfeld@web.de;
www.ok-eichsfeld.de) unter der Leitung des damaligen RABATZ-Mitarbeiters
Steffen Becker.
Themensuche
Am Anfang braucht man eine Idee – Über was wollen wir
eine Bildergeschichte machen? Also: großes Grübeln am
großen Tisch in großer Runde. Neudeutsch nennt man das
auch Brainstorming. Kindergeburtstag? Große Geschenke und
eine Torte mit Kerzen oben drauf? – Nee, das ist ja wie Kindergarten
– also abgelehnt! Schule? Das muss ja nun wirklich nicht sein
– also abgelehnt! Ein Bauernhof? Viel zu kompliziert die ganzen
Tiere zu malen – also abgelehnt! Feuerwehr? Feuerwehr! Da
waren wir doch erst vor kurzem – also Feuerwehr!
Was soll zu sehen sein in der Bildergeschichte? Ein Feuerwehrmann
muss zu sehen sein, und natürlich auch ein Feuerwehrwagen mit
Leiter. Und ein Haus, das brennt. Warum brennt das Haus? Vielleicht
ist ein Blitz eingeschlagen. Oder eine Kerze ist umgefallen und
hat die Gardine angezündet. So könnte es gewesen sein.
Nach und nach entsteht ein Drehbuch.
Maria weint. Sie ist allein zu Hause und ihr ist eine brennende
Kerze umgefallen. Die Tischdecke steht in Flammen. Das Feuer knistert
schon bedenklich. Maria bekommt vor lauter Rauch kaum mehr Luft
und muss husten. "Ich muss die Feuerwehr anrufen!", denkt
sie. Die Nummer kennt sie auswendig: 112. Zum Glück weiß
sie auch genau, was sie sagen muss. "Hallo...!", sagt
Maria, nachdem sich am anderen Ende jemand gemeldet hat, "...ich
heiße Maria, mein Tisch brennt. Ich wohne in der Wilhelmstr.
12. Bitte kommen Sie schnell!" "Wir kommen sofort!",
sagt die Stimme am Telefon. "Warte draußen vor der Tür
auf uns!" Maria legt erleichtert auf und geht nach draußen.
Nur ein paar Minuten später hört sie schon die Sirene
des Feuerwehrautos und sieht es schließlich um die Ecke biegen.
Sie winkt ganz aufgeregt mit ihren Armen. "Hier ist es!"
schreit sie. Der Fahrer des Feuerwehrautos sieht sie und weiß
Bescheid. Hier muss die Nummer 12 sein. Jetzt geht alles ganz schnell.
Kommandos sind zu hören, Schläuche werden ausgerollte
und schon spritzt das Wasser aus dem Schlauch. Das Feuer ist schnell
gelöscht. Obwohl Maria schuld ist, dass es brannte, wird sie
am Ende von einem Feuerwehrmann gelobt: "Du hast richtig reagiert,
Maria. Hättest Du uns nicht so schnell gerufen und Dich am
Telefon nicht richtig gemeldet, wäre alles nur noch schlimmer
geworden!"
Die Umsetzung im Kunstunterricht
Jetzt geht es an die Umsetzung. Was sind die wichtigen Szenen? In
der Gruppe wird besprochen, wie viele Bilder gemalt werden müssen,
und was darauf zu sehen sein soll. Schnell wird klar, dass die Details
abgestimmt werden müssen. Daniel will die weinende Maria am
Anfang des Filmes mit blauem Kleid und roten Haaren malen. Nancy
malt die Schlussszene, in der Maria vom Feuerwehrmann gelobt wird.
Und wie sieht die Maria da aus? Natürlich muss sie immer noch
rote Haare haben und ein blaues Kleid anhaben. Denn sie wird sich
ja nicht noch umziehen und die Haare färben, wenn es bei ihr
zu Hause brennt! Den Kindern ist klar, Filmarbeit bedeutet Teamwork.
Jeder muss sich auf den anderen verlassen können und was in
der Gruppe besprochen wird, muss auch von jedem eingehalten werden.
Und wie groß soll gemalt werden? Schön groß, am
besten auf A 3-Blätter. Denn dann kann man auch Details malen,
auf die gezoomt werden kann. Und noch eins ist wichtig. Ein Fernseher
hat ein anderes Seitenverhältnis als ein Zeichenblatt. Also
auf dem Blatt ruhig einen Rand lassen und – ganz wichtig –
die wichtigen Sachen am besten in die Mitte malen. So bleibt später
beim Abfilmen immer genug Spielraum– nach rechts und links
sowie nach oben und unten – und es muss nicht "über
den Rand hinaus gefilmt" werden.
Die nächsten drei Wochen malen die Kinder im Kunstunterricht
ihre Bilder. Inklusive Vor- und Abspann sind das für jeden
zwei bis drei. Und dann ist es soweit, die Bilder sind fertig und
müssen abgefilmt werden.
Da die Jungen und Mädchen durch andere Medienprojekte im Umgang
mit der Kamera schon erprobt sind ist das kein Problem. Die Kunstwerke
werden mit Magneten an der Tafel befestigt, die Videokamera wird
auf ein Stativ montiert und über ein langes Kabel mit einem
Fernseher verbunden. So lässt sich leichter prüfen, ob
alles scharf ist und der Ausschnitt stimmt. Jedes Kind filmt so
seine eigenen Bilder ab, in der Totalen, Halbnah, aber auch Details
werden aufgenommen, wie z.B. die blauen Rundumleuchten des Feuerwehrautos.
Jedes Bild etwa 30 Sekunden aufnehmen, das klingt sehr land, aber
wir haben viel mit langen Einstellungen gearbeitet und gekürzt
werden kann immer noch, denn der Film muss ja auch noch geschnitten
werden. Deshalb ist es jetzt auch nicht wichtig, in welcher Reihenfolge
die Bilder aufgenommen werden. Beim Schnitt kann immer noch getauscht
werden.
Aber bevor geschnitten werden kann, muss noch der Ton aufgenommen
werden. Also wieder große Runde am großen Tisch. Was
für Geräusche brauchen wir? Was für Text muss gesprochen
werden und von wem? Auf einer Liste wird alles festgehalten. So
brauchen wir ein knisterndes Feuer. Da gibt es doch den Trick mit
der Folie, die man in den Händen walkt. Das hört sich
dann so an, als ob es brennt. Und für das Löschwasser
nehmen wir einfach das Rauschen eines Wasserhahnes auf. Und die
Sirene erzeugen wir mit einer Triola, einem farbigen, melodicaähnlichen
Blasinstrument mit 8 Tasten, das hört sich täuschend echt
an!
Die Sprechrolle der Maria ist schnell vergeben, denn Nancy ist das
einzige Mädchen. Für den Feuerwehrmann gibt es schon mehrere
Interessenten. Aber auch hier werden sich die Kinder einig, Stefan
wird die Rolle übernehmen. Der andere Stefan übernimmt
die Rolle des Sprechers. Während die drei ihre Texte üben,
nehmen die anderen mit Mikro und MD-Gerät die benötigten
Geräusche auf. Zum Schluss werden die Sprechtexte eingesprochen,
was gar nicht so einfach ist. Aber mit etwas Improvisationsvermögen
gelingt es schließlich doch.
Die Arbeit der Kinder ist damit getan. Geschnitten wird der Film
vom Medienpädagogen, denn das ist eine ziemlich zeitaufwändige
und teils auch knifflige Angelegenheit.
Kurz gesagt eine Arbeit, bei der man sich längere Zeit stark
konzentrieren muss. Die Förderschüler kommen hier sehr
schnell an ihre persönlichen Grenzen in Bezug auf die Konzentrationsfähigkeit.
Das Ergebnis
Umso größer ist die Aufregung bei der Premiere des Filmes.
Voller Erwartung sitzen sie vor dem Fernseher und warten auf ihr
Meisterwerk. Doch vorher sprechen wir noch kurz über das, was
alles notwendig war, um hier den Film präsentieren zu können.
Wir rufen uns noch mal ins Gedächtnis zurück, wie das
Drehbuch entwickelt wurde, was beim Zeichnen der Bilder zu beachten
war, wie Geräusche erzeugt wurden und wie schwierig es war,
den Sprechtext mit dem Mikro aufzunehmen.
Zwei Monate lang wurde einmal die Woche für zwei Unterrichtsstunden
das Klassenzimmer zum Trickfilmstudio, und die Bilder wurden noch
"nebenbei" im Kunstunterricht gemalt. Und was hat es gebracht?
Viel Spaß, viele neue Erfahrungen, Wissen über Dinge,
die man sonst nicht in der Schule lernt, viel Selbstbewusstsein
für die Bewältigung des täglichen Lebens –
und einen knapp dreiminütigen, wunderschönen Trickfilm.
Und als ganz besondere Anerkennung, neben der Ausstrahlung im OK
Eichsfeld, durften die jungen Filmemacher und die Filmemacherin
ihr Werk beim Medienpädagogischen Symposium in Erfurt präsentieren.
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