Am Donnerstag, den 14. Oktober ist unser Freund Tom

Dr. Gustav Meier

Mentor, Wegbegleiter und Ideengeber, Gründungsmitglied des Blickwechsel e.V.
im Alter von 83 Jahren unerwartet verstorben.

Dr. Gustav Meier war Ende der 1980er Jahre unser Dozent für Medienpädagogik an der Universität Göttingen. Mit einem feinen Sinn für Humor und einer Ernsthaftigkeit in der Sache, eröffnete er uns in seinen Seminaren neue erziehungswissenschaftliche, medienpädagogische Welten. Anfang der 90er Jahre gründete Tom Meier mit uns den Verein Blickwechsel. Seitdem verband uns eine tiefe Freundschaft.

Toms steckte uns an mit seiner Begeisterung für die Medienpädagogik. Er schöpfte aus einem breitgefächerten Themenspektrum, ob es um die Bedeutungskonstruktion kindlicher Filmrezeption, um die Geschichte der Medienpädagogik oder um Ansätze der Filmbildung ging. Unvergessen ist auch sein Seminar und die daraus entstandene Ausstellung und großartige Veröffentlichung zur Geschichte der Filmproduktion in Göttingen: «Filmstadt Göttingen. Bilder für eine neue Welt? Zur Geschichte der Göttinger Spielfilmproduktion 1945-1961». Gustav Meier interessierte sich aber auch für viele andere Themen, dafür spricht seine gründliche dokumentarische Mediengestaltung zur «Eisenbahn Göttingen – Bodenfelde. Bahnlinie – Lebenslinie».

Toms aufmerksamer, konzentrierter Blick wurde von seinem Humor und seinem feinen Lächeln begleitet, er konnte zuhören, inhaltliche Themen für alle attraktiv aufbereiten und uns gleichzeitig unterstützen und begleiten, wenn wir unsere ersten eigenen Flugversuche in der Praxis starteten wie z.B. medienpädagogische Elternabende, Filmprojekte mit Kindern und Jugendlichen. Auch nahm er uns mit auf die ersten Tagungen der GMK und führte uns damit in die wohl wichtigste Community der Medienpädagogik ein.

Ein für den heutigen Blickwechsel wichtiger Schritt hin zur Professionalisierung war 1991 unsere Teilnahme am Funkkolleg Medien und Kommunikation. Konstruktionen von Wirklichkeit. Wir waren eine kleine Seminargruppe, die sich intensiv in das anspruchsvolle Funkkolleg vertiefte. Zu jedem Kapitel bereiteten wir Texte vor, verfolgten die entsprechende Radiosendung und erarbeiteten, diskutierten und reflektierten im Nachgang umfangreiche Lektüre zum Thema. Hierbei begleitete uns Tom intensiv, traf sich regelmäßig mit uns am frühen Morgen – noch vor Beginn der üblichen Vorlesungszeit –, stand immer für Fragen und Hilfen zur Verfügung. So lernten wir viel und bestanden auch die dazugehörigen Klausuren. In diesem Kontext wurden die Grundsteine für den Blickwechsel gelegt, die bis heute ihre Wirkung entfalten (Konstruktivismus).

Als wir uns 1991 zur Gründung des Blickwechsel e.V. (zuvor von MUK) entschlossen, war Tom Meier eines der Gründungsmitglieder und somit ist ihm mit zu verdanken, dass wir 1992 in das Vereinsregister eingetragen wurden.

Auch viele Jahre nach dem Abschluss des Studiums, als wir uns tatsächlich hauptberuflich auf die Medienpädagogik konzentrierten und der Blickwechsel längst „das Laufen gelernt hatte“ und auf eigenen Beinen stand, pflegten wir unsere Verbundenheit. Wir trafen wir uns zu Weiterbildungswochenenden in Amelith, im Tal des Reiherbachs im Solling oder im Jugendheim, der Pilgerherberge der St. Martini Kirchengemeinde in Dransfeld. In diesen kleinen Selbstversorgungshäuschen ging es immer rund. Es wurde diskutiert, analysiert, gearbeitet und gefeiert. Tom kam oft vorbei und nahm an der ein oder anderen Diskussion und am abendlichen Beisammensitzen teil.

Tom beobachte unser Wirken genau. In den letzten Jahren eher aus der Ferne. Er war stolz auf uns und unser Engagement, freute sich von Herzen mit, wenn der Blickwechsel Erfolg hatte und die Vielfältigkeit der Medienpädagogik gelebt wurde. Und ob es um Digitalisierung an Schulen, Kinder und Medien oder auch um Nachhaltigkeitsfragen ging, Tom war immer interessiert und gab Impulse für unsere Arbeit. In einer seiner letzten Emails schrieb er zur Verbindung von Medien- und Waldpädagogik: „das ist ja ein spannendes, weil hochaktuelles Projekt. Vor 30 Jahren hatte ich mal ein Projekt zum Thema Wald im Rahmen der Freizeitpädagogik. Damals unter dem Aspekt "Naturerfahrung“ (…) und es war die Jugend, die darauf aufmerksam gemacht hat.“

Ein paar Monate vor seinem Tod trafen wir uns wie so oft zu einem kleinen Plausch im Göttinger Büro. Es ist sehr bedrückend zu wissen, dass Tom nun nicht mehr spontan vorbeischauen wird. Tom blieb «Blickwechsler» bis heute und wir behalten ihn in unseren Herzen in Dankbarkeit und vor allem in persönlicher Verbundenheit.

Der Tod kommt wann er will. Es ist tröstlich zu wissen, dass er bei Tom friedlich eintrat.
Für uns hinterlässt er eine große Lücke. Wir sind sehr traurig.

Im Namen des gesamten Blickwechsel-Teams

Susanne Roboom, Dr. Claudia Raabe, Dr. Maren Risch, Anke Lehmann-Echternacht, Michaela Weiß, Prof. Dr. Norbert Neuß, Jürgen Zipf, Mirko Pohl, Dirk Beyer, Michaela Heinrich, Peter Petersen, Prof. Friederike Tilemann und Sabine Eder